Fehler passieren. Entscheidend ist, wie du als Berufsbildner:in darauf reagierst. Denn deine Reaktion beeinflusst, ob Lernende Fehler künftig offen ansprechen oder lieber für sich behalten.
Statt zuerst nach dem «Wer?» zu fragen, lohnt sich deshalb der Blick auf das «Was?»: Was ist passiert? Warum ist es passiert? Und was können wir daraus lernen?
So entsteht eine offene Fehlerkultur. Lernende trauen sich, Fragen zu stellen, Unsicherheiten anzusprechen und Neues auszuprobieren. Genau das braucht es, damit Lernen stattfinden kann.
Psychologische Sicherheit trifft auf klare Erwartungen
Die Forscherin Amy Edmondson beschreibt vier unterschiedliche Bereiche. Besonders spannend für die Berufsbildung ist die Lernzone: Hier treffen hohe Erwartungen auf hohe psychologische Sicherheit. Lernende wissen, was von ihnen erwartet wird, und dürfen gleichzeitig Fragen stellen oder Fehler ansprechen.
Fehlt diese Sicherheit, entsteht die Angstzone. Fehler werden eher verschwiegen und Fragen nicht gestellt. Fehlen klare Erwartungen, bleiben Entwicklung und Fortschritt auf der Strecke.
So förderst du die Lernzone im Alltag
1. Frage nach der Ursache statt nach der Schuld
Versuche zuerst zu verstehen, was passiert ist. Fragen wie «Wie ist es dazu gekommen?» oder «Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?» fördern die Reflexion.
2. Reagiere ruhig und wertschätzend
Wer Angst vor einer negativen Reaktion hat, spricht Fehler weniger offen an. Zeig deinen Lernenden, dass sie Schwierigkeiten und Unsicherheiten ansprechen dürfen.
3. Nutze Fehler als Lernchance
Ein Fehler ist nicht einfach etwas, das schiefgelaufen ist. Er zeigt auch, wo noch Wissen, Erfahrung oder Unterstützung fehlt. Nutzt diese Situationen gemeinsam zum Lernen.
4. Sei selbst Vorbild
Auch Berufsbildner:innen machen Fehler. Sprich offen darüber und zeige, was du daraus gelernt hast. Damit vermittelst du deinen Lernenden: Fehler dürfen passieren – entscheidend ist, wie wir damit umgehen.
Eine gute Fehlerkultur bedeutet nicht, dass alles erlaubt ist oder Fehler keine Konsequenzen haben. Es bedeutet, offen darüber sprechen zu können und daraus zu lernen.


