Relationship-Recruiting beginnt immer früher

Unternehmen kämpfen schon im Klassenzimmer um künftige Mitarbeiter, sie lernen Job-Kandidaten immer früher kennen: Weil Unis und Absolventenmarkt als Rekrutierungsfeld heftig umkämpft sind, gehen Unternehmen an die Schulen: Dort wird, so eine Prognose des Infodienstes „The Herman Trend Altert" (16.05.01), künftig der Kampf um die Besten beginnen. Unternehmen tun zweierlei: 1) Sie betreiben langfristiges Empolyer Branding und 2) sie bauen Kontakte zu künftigen Mitarbeitern auf, indem sie an der Schule ihre Praktikantenplätze vermarkten.
Prognose für EU und USA:„Recruiters will reach into High Schools", von Roger Herman (Zukunftsforscher), Tel: 001-336/282 9370,
Fax: 001-336/282 2003, Internet: http://www.hermangroup.com

Die neue Ernsthaftigkeit Jugendlicher

Eine grosse Zeitgeistwende kommt auf Medien, Werbung und Marketing zu: die neue Ernsthaftigkeit. Mit dem neuen Jahrtausend haben auch die Werte der 90er Jahre bald ihr Verfallsdatum erreicht. Ironie, Unverbindlichkeit und Zynismus sind out, oberflächliche Spassorientierung ist zunehmend verpönt. Erste Anzeichen für die Werte-Wendel Erz-Zyniker Harald Schmidt schwörte unlängst öffentlich der Ironie ab. Seitdem mutiert seine Talkshow zunehmend zu einer Literaturvorlesung. Pop-Ikone Madonna nutzt den kurzen Tourneeaufenthalt in Deutschland nicht zum Shopping, sondern um eine Holocaust-Ausstellung zu besuchen. Zwei unabhängige Ereignisse, die für Torsten Krauel von der „Welt" auf ein und dieselbe Entwicklung hindeuten: „Das Ende der Spassgesellschaft" (06.07.01). Und das kommt nach dem Wertewandel: Nicht traditioneller Konservatismus oder einheitliche Ideologie, sondern selektive Leidenschaft: In Zukunft ist es wieder schick, sich für bestimmte Themen zu engagieren, wie etwa Globalisierung und Gentechnik. („AntiNew Economy"). Dabei einer Partei- oder Gruppenlinie zu folgen, bleibt verpönt, vor allem unter Jugendlichen.

An den Kinokassen ist die neue Ernsthaftigkeit bereits spürbar. Hier stimmt die junge Generation darüber ab, was künftig erfolgreich ist. Klares Votum: Ironie ist out, Ideale sind in. Zotige Komödien und flache Teeniefilme - lange Zeit Erfolgsgenres - floppen plötzlich. Der Jugendforscher Neil Howe sieht darin die Vorboten einer kulturellen Flutwelle („L.A. Times", 17.07.): Eine neue Generation übernimmt das Ruder: „Millennials", die heute 17- bis 20jährigen. Sie mögen Helden, Pathos, positive Botschaften und Idealismus. Den Sarkasmus und die Gleichgültigkeit ihrer Eltern aus der Generation X lehnen sie ab.
Einschätzung: Klare, intelligente Botschaften kommen bei Jugendlichen gut an. Soziale oder kritische Botschaften sind nicht länger tabu.

Buchtipp: Neil Howe, William Strauss: „Millennials Rising", Vintage Books, 2000, 304 Seiten, 11 Dollar.

Mitarbeiter-Management: Heute schon für morgen planen

Der Krieg um Talente ist nicht abgeblasen, auch wenn die Konjunkturflamme etwas niedriger brennt. Denn beachten Sie: Die Grund-Annahmen bleiben weiter in Kraft:
1. Fluktuation steigt in den meisten westlichen Ländern weiter an.
2. Jobwechsel ist immer eine Option - viele Mitarbeiter machen sich selbständig, wenn es ihnen in der Firma nicht mehr gefällt.
3. Die neue Generation der Wissensarbeiter ist anders als ihre Vorgänger: Spass und interessante Arbeit stehen hoch im Kurs, Jobwechsel ist persönliches Wachstum und kein Zeichen für Instabilität, und man wartet nicht auf den nächsten Schritt, sondern geht ihn einfach (Ich AG)

Kinderknappheit: Der Weg in die Minus-Gesellschaft

Der Bevölkerungsschwund in den westlichen Industriestaaten wird extremer ausfallen als bisher angenommen. Grund: Die meisten demographischen Prognosen beruhen allein auf Umfragen unter jungen Paaren. Doch eine Studie des Deutschen Jugendinstituts hat gezeigt: Die hier geäusserte Familienplanung wird später oft nicht durch umgesetzt. Beispiel: Nur 2 Prozent aller befragten Frauen und Männer gaben an, keine Kinder haben zu wollen. Tatsache aber: Über 20 Prozent aller Frauen allein des Geburtsjahrgangs 1955 sind kinderlos geblieben. Und diese Frauen sind noch vor der Werterevolution der 70er Jahre aufgewachsen.
Weiterer Grund für den verschärften Bevölkerungsschwund: Das Kinderkriegen wird verschoben. Statt mit 20 bekommen immer mehr Frauen ihr erstes Kind erst Mitte 30. Effekt des vertagten Kinderkriegens: Je später das erste Kind geboren wird, desto kleiner ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Paar für einen weiteren Sprössling entscheidet. Experten warnen: Dieser so genannte zweite demographische Übergang wird grössere Auswirkungen auf die Wirtschaft haben als bisher angenommen. Beispiel Bildungsmarkt: Erste Untersuchungen zeigen, dass Eltern für die Erziehung eines Einzelkindes überdurchschnittlich viel Geld ausgeben. Hochqualitative Bildungsangebote werden davon profitieren, Massenanbieter müssen mit stark sinkender Nachfrage rechnen.
Weiteres Kennzeichen der Minus-Gesellschaft: eine wachsende Einzelkinder-Kultur. Folge: Immer mehr Menschen definieren sich über ihren Einzelkind-Status und bilden eine soziale Gruppe. Anzeichen: Der Markt für Publikationen rund um das Thema ist explodiert, im Internet formieren sich spezielle Foren; in Indien haben sich die wenigen Einzelkinder bereits zu Vereinen zusammengeschlossen, berichtet „Newsweek" (23.04.01). Gefahr: Durch die Abgrenzung werden bestehende Vorurteile geschürt. In China nennt man Einzelkinder bereits die „kleinen Kaiser" und macht sie für Jugendkriminalität und wachsenden Materialismus verantwortlich.

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