Neue KV-Lehrstellen schaffen ohne die Bestandespflege zu vernachlässigen!

Erste Erfahrungen des Projekts KLEVER zeigen es: Neue kaufmännische Lehrbetriebe zu gewinnen ist möglich. Aber wir dürfen die bestehenden KV-Lehr-Verhältnisse nicht aus den Augen verlieren:
- Über 10% der kontaktierten Betriebe haben eine Ausbildungsbewilligung, aber bilden zur Zeit keine Lehrlinge aus.
- Weitere 8% bilden heute Lehrlinge aus, stellen aber ihr künftiges Ausbildungs-Engagement in Frage.
Aber es gibt auch die positiven Meldungen:
- Zahlreiche Firmen erwägen, in den nächsten ein bis drei Jahren Lehrlinge zu engagieren.
- Und 15% der Befragten können sich bei entsprechenden Rahmenbedingungen ein Ausbildungs-Engagement vorstellen.
Der Verein KLEVER will bei diesen Firmen für die klassische Betriebslehre werben, aber auch flexible Ausbildungsmodelle wie Lehrbetriebs-Verbünde, Basis-Trainings (zu Beginn der Lehre) und kurzfristige Praktikas bekannt machen und Firmen den Einstieg in die Ausbildung mit Beratung und Hilfestellungen erleichtern.
Weitere Infos bei klever.ch (siehe Link)

Projekt KLEVER will 120 KV-Lehrstellen schaffen

Der Verein will ausgehend von Zürich-Winterthur starten und sich kreisförmig über die angrenzenden Regionen ausbreiten. Ziel ist, Unternehmen für die Ausbildung von KV-Lehrlingen zu gewinnen, Lehrbetriebe wirkungsvoll zu entlasten, Jugendlichen bei der Lehrstellensuche zu helfen und Lernende und Ausbildende mit Internet-basierenden Hilfsmitteln in der Durchführung und Auswertung der Ausbildung zu unterstützen.

Der neu gegründete "Kaufmännische Lehrstellen Verein KLEVER" will mit einem integrierten, leistungsorientierten Modell Mitverantwortung übernehmen für die erfolgreiche Schaffung von 120 KV-Lehrstellen innert zwei Jahren.
Viele Unternehmen tun sich schwer mit den Anforderungen der KV-Reform und bilden deshalb keine oder weniger Lehrlinge aus. Der neue "Kaufmännische Lehrstellen Verein KLEVER" will gegensteuern und Unternehmen Anreize schaffen, KV-Lehrlinge als wertvolle und effiziente Arbeitskräfte einzusetzen. Gründungsmitglieder von KLEVER sind Persönlichkeiten wie Nationalrätin Rosmarie Zapfl, Nationalrat Felix Gutzwiller und der Winterthurer Stadtpräsident Ernst Wohlwend. KLEVER will seine Aktivitäten in Winterthur starten und sie dann kreisförmig über die angrenzenden Regionen ausbreiten.
KLEVER gründet auf einer Initiative des Wirtschaftsinformatikers und Sozialpädagogen Urs Färber. Mit KLEVER verfolgt er ziemlich genau, was die "Task Force Lehrstellen vorsieht. Für die Finanzierung der KLEVER Aktivitäten rechnet Färber mit Bundesbeiträgen, will aber zusätzlich auch Firmen, Stiftungen und Privatpersonen zur Vereinsmitgliedschaft und finanziellen Unterstützung bewegen.
Im Gegensatz zu bisherigen Angeboten des Lehrstellen-Marketings leistet KLEVER zusätzlich auch einen Beitrag, die Ausbildungstätigkeit von Lehrbetrieben einfacher zu gestalten, zum Beispiel in Form von Ausbildungs-Begleitung mit Internet-basierenden Hilfsmitteln zur Planung, Durchführung und Auswertung der Ausbildung. Weiter will KLEVER Jugendlichen bei der Lehrstellensuche helfen, und mit dem KLEVER Lehrbetriebs-Support soll auch die Schaffung von Ausbildungs-Verbünden gefördert werden für Firmen, die sich allein die Ausbildung nicht zutrauen. Sie sollen die Lernenden im Turnus mit andern Firmen nur für Teilbereiche der Ausbildung übernehmen.
Färber ist überzeugt, dass die KV-Lehre die wirtschaftlich bessere Lösung ist als eine Zwischenlösung wie zum Beispiel ein Übergangsjahr, das nur die Warteschlaufe verlängert und die Lehrstellen-Knappheit im Folgejahr noch verschlimmert: Die KV-Lehre ist eine Super-Basis für jede berufliche Entwicklung, denn mit einem KV-Abschluss stehen unzählige Möglichkeiten der späteren Berufswahl offen! -
(www.klever.ch)

Kinder als Zielgruppe: Zahlungskräftig, markenbegeistert - und abgebrüht

Sie geben pro Jahr rund 50 Mrd. Euro aus. Jedes Zweite hat Zugang zum Internet, jedes Fünfte ein Wertpapierdepot. 70 Prozent hätten gerne eine Kreditkarte. So sieht Kindheit heute aus. Die 8- bis 14Jährigen verfügen über so viel Geld und sind so konsumfreudig wie keine Generation vor ihr. So lautet das Ergebnis der neuen internationalen Studie Marketing-Kids".

Lifestyle: Kinder von heute werden schneller erwachsen. Sie werden früher mit Themen der Erwachsenenwelt konfrontiert. Für die Kids macht es etwa keinen Unterschied, ob Börsen-TV oder MTV in Fernsehen läuft. Gleichzeitig gelten traditionelle Werte weiter: Mädchen sprechen auf Romantik an, Jungen von Wettbewerb, Kampf, Action.

Marken: Die Markenbindung bei Kindern ist 40 Prozent niedriger als bei Erwachsenen. Erst im Teenager-Alter entwickelt sich Loyalität. Kampagnen, die auf lange Bindung ausgerichtet sind, floppen. Kids haben einen grossen Einfluss auf Kaufentscheidungen der Eltern. Über ein Drittel bevorzugt bestimmte Auto- und Modemarken. Der Nachwuchs beeinflusst jährlich elterliche Kaufentscheidungen in Höhe von 50 Mrd. Euro.

Wichtig für Kinder: Eine Marke muss cool sein. Inakzeptabel ist demnach vor allem alles, was die breite Masse besitzt oder altmodisch erscheint. Auf Trends und kurzfristige Hypes springen Kinder gerne an. Sie begreifen dennoch sehr wohl, welche Produkte bleibenden Wert haben.

Medien: Die heutige Kindergeneration ist mit der Maus in der Hand geboren. Online-Welt und Medien von Handy bis zu Instant Messaging sind für sie selbstverständlich. Anzeichen für die Virtualisierung: Traditionelles Spielzeug verkauft sich nur noch, wenn es in Verbindung mit Film, TV oder Computerspiel daherkommt. Marketing muss alle Medienkanäle nutzen und, wie die Kinder, 24 Stunden am Tag erreichbar sein (Allzeitmarke).
Fernsehen spielt weiter eine zentrale Rolle. In USA, Grossbritannien und Australien verbringen Kinder 60 Prozent mehr Zeit vor dem Fernseher als in der Schule. Reklame im TV wird geschätzt.
Interessant: Kinder achten stark auf Details - selbst in Spots, die sich nicht an sie richten.

Werbung: Musik bleibt wichtigster Werbeträger. Wichtig: Die Ära der Megastars wie Michael Jackson ist vorbei. Es zeichnet sich ein klarer Trend zu alternativen Genres wie Rap ab. Werbemotive, auf die Kids ansprechen, sind Träume (Harry Potter), Romantik (Boybands) und Rebellion (Rapstar Eminein). Kinder schätzen zunehmend provokative Werbung, Motto: Wir lieben alles, was unsere Eltern hassen. Diese Antihaltung beginnt schon im Grundschulalter.

Buch: Martin Lindstrom: Marken-Kids", Redline-Wirtschaft, 2003, 352 Seiten, 49,90 Euro; Trendletter 10/2003

Werte der Jugend: Konsum, Körper, Karriere

Eine neue Generation tritt in das Konsum- und Arbeitsleben: die Netzwerkkinder. Das sind die heute 12- bis 21 Jährigen. Deren wesentliche Prägung: Sie sind vollständig mit digitalen Medien und Privatfernsehen gross geworden. Internet, DVD und MP3 gehören ebenso zu ihrem Lebensstil wie Harry Potter, BravoTV und Ally McBeal.
Die Netzwerk Generation hat keine Moral", lautet eine gängige Behauptung über diese Altersgruppe. Das Vorurteil ist falsch: Eine gross angelegte Studie des Trendbüros hat zum ersten Mal eine Wertelandkarte der Net-Kids erarbeitet. Aus 300 Interviews und Tiefen-Analysen ergab sich: Von einem Verfall der Werte kann nicht die Rede sein - allenfalls von einem Verfall der allgemein gültigen Moral. An deren Stelle setzen die Net-Kids individuelle Absprachen - ganz gleich, ob es sich um Arbeitsverträge oder sexuelle Vorlieben handelt. Die Folge ist ein moralischer Pluralisinus.

Weitere wichtige Thesen, die Konsum. Arbeitswelt und Lebenshaltung beeinflussen werden:

1. Die vermeintliche Spass-Generation ist erstaunlich ernst. Statt Egoismus leitet Teamgeist ihr Denken und Handeln. Die Netzwerkkinder wissen, dass es intelligent ist, nett zu sein. Berufsplanung ist wichtiger als Fun. Schon in der Jugend besteht die Angst, etwas Falsches zu tun und dann Zukunftschancen zu verpassen. Selbstironie, die die GenX an den Tag legte, weicht Nachdenklichkeit und tiefen Gefühlen. Jugendliche verabschieden sich früh von Lego und Playmobil - mit PC und Internet hält der Ernst des Lebens Einzug in die Kinderzimmer: Spätestens nach der Grundschule wissen die Netzwerkkinder, dass Leben Leistung bedeutet.

2. Die Netzwerkkinder rebellieren, indem sie sich nicht schlechter, sondern besser benehmen. Das negative Bild der Jugend ist von den Medien und ihren Machern erfunden. Von Protest keine Spur. Netkids gehen mit ihren Eltern gemeinsam auf Partys und Konzerte. Die von den Jugendlichen verehrten Boygroups sind keine verschrobenen, wütenden Rocker mehr (wie die Idole der Generation 1), sondern gut gelaunte junge Männer, die sich jede Mutter zum Schwiegersohn wünschen würde: Gepflegt rasiert, gegen Drogen, das Wort von der ewigen Liebe auf der Zunge. Null Bock" der Generation 1 (ca. 1962-1976 geboren) ist nicht mehr angesagt.

3. Ob normal oder pervers, von hinten oder von vorne ist moralisch ohne Belang: Ihre Beziehungen handeln die Netzwerkkinder aus. Treue auf Zeit schafft Verbindlichkeit plus Freiheit. Alles ist erlaubt, aber zu Beginn der Beziehung werden erst mal Absprachen getroffen: Ein Kuss ist zunächst ein Kuss und nicht mehr. Das Konzept von Beziehung ist seriell - Partnerschaft auf Zeit, Lebensabschnittsbegleitung. Grund: Zwar besteht Sehnsucht nach lebenslanger, tiefer Bindung und Familie - aber gleichzeitig waren Ansprüche an Partnerschaft noch nie höher als heute. Deshalb gehen sie schneller auseinander. Überdies: Mädchen bestimmen, was läuft. Anders als früher sind sie es, die eher Geschlechtsverkehr haben als die Jungen.

4. Der Körper wird aufgerüstet. Aufmerksamkeit wird zur Droge. Die Netzwerkkinder wissen um die Macht von Images - und setzen sie gezielt ein. Mode ist Networking auf ästhetischer Ebene. Beruf, Familie - all das kann sich jederzeit auflösen. Das einzige, was also bleibt, ist der Körper. Er wird zur biografischen Konstante. Beschäftigung mit dem Körper ist Rückversicherung der Existenz - seine Verschönerung Identitätsentwicklung. Inszenierung ist wichtig, nicht um sexuelle Freizügigkeit zu zeigen, sondern um im Zeitalter des Visuellen aufzufallen. Haltung: Look gut don't touch." Schminken ist bereits für Mädchen im frühen Teenager-Alter wichtig. Auch von den 13- bis 19-jährigen Jungen verwenden knapp zwei Drittel Styling Produkte. Schönheitsoperationen gelten als völlig normal.

5. Konsum ist für Jugendliche eine Form kulturellen Austauschs und Selbstbestätigung ihrer Autonomie. Sie sind nicht mehr oder weniger materialistisch als die Erwachsenen. Die Warenwelt ist ein Supermarkt der Gefühle. Man kauft ein Produkt, um sich in eine bestimmte Stimmung zu bringen. Einzelkinder sind kaufkräftig. Jugendliche gehen arbeiten, um am Run auf die Marken teilzuhaben. Haltung: Shopping ist soziale Teilhabe - und Folge der Einwirkung vieler Tausender Werbespots seit der Teletubbie-Zeit vor dem TV-Bildschirm. Folge: Supermärkte, Einkaufszentren und Shopping-Malls werden zu bevorzugten Treffpunkten.

Die Studie liegt als Buch vor, Titel: Die neue Moral der Netzwerkkinder" Piper-Verlag, 221 Seiten

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